Auf unserer Reise nach Norden haben wir Erlebnisse, die uns lange in Erinnerung bleiben werden
Die Einladung
Wir fahren abseits der Hauptstraße durch ein Gebiet, dass für Schafzucht bekannt ist. Wir wollen irgendwo am Straßenrand einen Schafskäse kaufen. Die KI behauptet, das gehe problemlos. Immer wieder halten wir an, bekommen aber nur Gemüse und Früchte.
Irgendwann bekommen wir spontan eine Einladung zum Essen: gekochten Mais mit Walnüssen. Es ist gerade Maisernte.
Neben dem kleinen Laden wird auf einem offenen Feuer Mais gekocht und Maiskolben geröstet. Das ist so ein bisschen Fünfzigerjahre Feeling wie in Deutschland (ohne Maiskolben) Wir kennen das nur noch aus Erzählung unserer Großeltern oder aus dem Fernsehen.

Sie haben leider keinen Schafskäse und laden uns einfach zum Essen ein. Was soll man dazu sagen. Wir setzen uns und versuchen, ein wenig mit den Menschen zu sprechen. Auch hier gibt es irgendeine Verbindung nach Stuttgart und sie sprechen ein paar Brocken Deutsch. Das ist irgendwie auch alles ein bisschen verrückt. Immmer wieder gibt es Nachschub und wir bekommen frische Walnüsse gereicht. Die Gastfreundschaft ist wirklich beeindruckend, auch wenn die Kommunikation schwierig ist.

Die Geschichte werden wir in guter Erinnerung behalten und noch oft erzählen.
Der geplatzte Reifen und die zwei Jungs
Auf der weiteren Fahrt sehen wir einem abgewickelten Reifen auf der Fahrbahn liegen und ein paar Meter weiter einen alten Renault, der auf der Gegenfahrbahn vorne links nur noch die Felge hat. Die Unfallstelle ist notdürftig abgesichert. Vorne ein Ersatzreifen und hinten ein alter Sack, der mitten auf der Straße liegt. Ein junger Mann steht neben dem Fahrzeug und macht die Handbewegung „langsam fahren“. Es scheint nichts schlimmeres passiert zu sein, und so fahren wir langsam vorbei. Ein paar Kilometer weiter sehen wir auf der Gegenfahrbahn zwei junge Männer gehen. Sie geben Zeichen und würden gerne mitgenommen werden. Eigentlich haben wir nicht für zwei Personen Platz. Trotzdem halten wir an und Gerlinde springt nach hinten in den Bus und die zwei Jungs nehmen vorne auf dem Beifahrersitz Platz (ist nur ein Sitz) Geht doch. Sie sprechen absolut kein Englisch, aber mit Google und Handy wird klar, dass sie zur nächsten Tankstelle wollen, um Hilfe zu holen. Sie gehören zu dem Auto, was den Unfall hatte. So erfahren wir, dass der Reifen vorne links bei voller Fahrt geplatzt ist. Glücklicherweise ist nichts schlimmes passiert. Die Konversation ist schwierig und so schweigen wir die meiste Zeit. Nach 25 km kommen wir schließlich an einer Tankstelle an und die beiden Jungs wollen aussteigen. Sie bedanken sich sehr herzlich und einer der beiden Männer macht eine Geste: er zeigt auf mich und streicht sich mit beiden Händen über das Gesicht. Eine Segensgeste. Es sei die höchste Form der Dankbarkeit, nach unseren Recherchen. Ein gutes Gefühl.
Wir fahren langsam weiter und hängen unseren Gedanken nach.
Der Rentner aus Solingen
Am nächsten Tag haben wir ein ähnliches Erlebnis. Wir erreichen irgendwo im nirgendwo eine Kreuzung und müssen halb links abbiegen. Am Straßenrand steht ein vielleicht 70-jähriger Herr und winkt mit beiden Händen. In einer Hand hat er eine Damen Handtasche. Wir halten spontan an und stehen halb auf der Kreuzung. Wir lassen das Fenster herunter und es entsteht eine Pause – vielleicht 3-4 Sekunden. Sowohl bei uns als auch bei dem älteren Herrn, scheinen sich die Gedanken zu überschlagen. Schließlich hören wir: „Sprechen Sie Deutsch?“ – ja, klar, er steigt ein. Wir fahren los.
Seine Frau sei mit dem Bus losgefahren und habe ihre Handtasche mit allen Ausweisen und Geld vergessen. Er habe sie um 10 Minuten verpasst und versuche nun ihr nach zu reisen. Der nächste Bus fährt erst in ein paar Stunden. Er ist sehr dankbar und glücklich, dass wir ihn mitnehmen. Wir können ihn in der nächsten Stadt (immerhin 25 km entfernt) am Busbahnhof rauslassen.
Während der Fahrt lernen wir uns ein wenig kennen. Er lebt schon seit über 50 Jahren in der Nähe von Solingen. Seine Kinder sind alle in Deutschland geboren und auch seine Enkelkinder. Seitdem er Rentner ist, lebt er ein paar Monate in der Türkei und den Rest des Jahres in Deutschland.
Er kann auf keinen Fall ganz in die Türkei zurückgehen. Seine Kinder wollen alle in Deutschland bleiben. Die Geschichte kommt uns irgendwie bekannt vor. Wir reden über alles mögliche. Die Inflation, die Straßen, die gebaut werden und das Leben in der Türkei und in Deutschland. Nach einer halben Stunde lassen wir ihn am Busbahnhof aussteigen. Gerne hätte er sich an den Spritkosten beteiligt, aber wir lehnen dankend ab







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